Kommentar Gymnasium Saar 01-02/2010 Klaus Lessel, Vorsitzender
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
diese und viele andere Fragen stellen sich im Saarland zur Zeit Lehrer/innen, Schüler/innen, Eltern, Politiker/innen und alle an Bildung interessierte Bürger/innen. Was passiert in Bezug auf die beabsichtigte Verfassungsänderung? Wie sollen die Pläne der Landesregierung organisatorisch umgesetzt und finanziert werden? Wann wird der Zeitrahmen konkret sichtbar?
Bisher ist der neue Bildungsminister mit kostenneutralen Aktionen an die Öffentlichkeit getreten, die prognostiziert worden waren: Rücknahme der verpflichtenden Empfehlung für den Übergang an weiterführende Schulen und die Ankündigung einer neuen Stundentafel für Gymnasien (in der Anhörung). Beim ersten Blick auf den Entwurf sind durchaus positive Elemente sichtbar (die schon lange vom Philologenverband gefordert worden sind): Einführung einer Klassenleiterstunde in der Klassenstufe 5, Stärkung der Kernfächer der Mittelstufe durch Stundenerhöhung, keine Ein-Stundenfächer. Beim genaueren Hinsehen fällt in den Klassenstufen 5 und 6 ein neues 3- bzw. 2-stündiges Fach „Naturwissenschaften“ auf, für das es noch keinen Lehrplan gibt, und dessen Inhalte auch nicht näher bestimmt werden. Hier soll wohl schon G7 vorbereitet werden. Wie z. B. die Stundenverteilung im Fach Geschichte pädagogisch sinnvoll begründet werden kann, bleibt ein Geheimnis der Verfasser der Stundentafel. Warten wir die Stellungnahme der Gremien ab und prüfen am Ende, ob und welche Expertenmeinungen eingearbeitet worden sind.
Für die saarländischen Landespolitiker wird es jetzt auf jeden Fall ernst. Sie werden in naher Zukunft durch Ihr Votum für oder gegen eine Verfassungsänderung über das Schicksal des grundständigen Gymnasiums und damit über das Image des Saarlandes im Bund entscheiden. Mit einem saarländischen Alleingang ohne Kompatibilität mit den Bildungswegen der anderen Bundesländer wird das Saarland keine Führungskräfte mit ihren Familien aus diesen Bundesländern mehr anlocken, und saarländische Familien werden große Schwierigkeiten beim Schulwechsel in andere Bundesländer haben. Letztlich entscheiden die Abgeordneten damit über eine saarländische „Insellage“ mit all ihren wirtschaftlichen und demographischen Konsequenzen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, es bleibt nur zu hoffen, dass jeder einzelne unserer Volksvertreter sehr genau prüft, welche Auswirkungen seine Entscheidung auf die Entwicklung des Saarlandes und die zukünftige Schülergeneration haben könnte. Auf jeden Fall sollte er bedenken, dass unsere Schüler/innen als Versuchskaninchen zu kostbar sind.
Ihr
Klaus Lessel





