Problemanzeige

  • Immer mehr außerunterrichtliche Aufgaben werden auf die Lehrkräfte an Gymnasien abgewälzt. 

  • Die technischen Anforderungen an den Unterricht wachsen, ohne dass geeignete und professionelle Unterstützung zur Verfügung steht.
  • Funktionsstelleninhaber an Schulen werden in immer höherem Maße durch Verwaltungsaufgaben an der Wahrnehmung ihrer eigentlichen Aufgaben gehindert. 

  • Es fehlt eine Gesamtkonzeption zur Beschaffung, Verwendung und Wartung digitaler Medien. 


Grundsätze

Lehrkräfte sollen sich hauptsächlich auf ihre unterrichtlichen Aufgaben konzentrieren können. Außerunterrichtliche Aufgaben müssen daher soweit wie irgend möglich reduziert werden. Unbedingt notwendige außerunterrichtliche Aufgaben sollen soweit möglich von speziell dafür ausgebildeten Assistenten übernommen werden. Die gegenwärtig geübte Praxis, solche Aufgaben von Lehrkräften, Funktionsstelleninhabern, dem Schulleiter oder dem Verwaltungspersonal durchführen zu lassen, ist ineffizient, verursacht unnötige Probleme und hat aufgrund der dadurch gebundenen Ressourcen negativen Einfluss auf die Qualitätsentwicklung von Schule und Unterricht.
Um dem Investitionsstau im Bereich der technischen Ausstattung der Gymnasien abzuhelfen, sind gezielte Investitionen nötig, die durch zukunftsorientierte Anwendungskonzepte speziell im Bereich der digitalen Bildung begleitet werden müssen.

Unterrichtsassistenten

Speziell für Vertretungslehrkräfte und für Referendare, genauso aber auch für Lehrkräfte mit eng getaktetem Stundenplan oder häufigem Raumwechsel bewirken Unterrichtsassistenten eine wirksame Entlastung und – insofern dadurch Zeit und Kraft für unterrichtliche Aufgaben frei wird – eine spürbare Qualitätssteigerung. Unterrichtsassistenten können bei einer entsprechenden Ausbildung außerunterrichtliche oder unterrichtsbegleitende Aufgaben bewältigen. Dazu zählt beispielsweise die Organisation von Klassenfahrten, die organisatorische Vorbereitung von Elternabenden, das Ausfüllen von Formularen und der Schriftverkehr, das Einholen von Angeboten für Fahrten, das Anfertigen von Protokollen und Dokumentationen usw. Unterrichtsassistenten können auch in den nicht-technischen und nicht-naturwissenschaftlichen Fächern wichtige Aufgaben zur Unterrichtsdurchführung übernehmen, so z.B. die Pflege und zeitgerechte Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien, von Unterrichtsmedien oder das Vervielfältigen von Arbeitsmaterialien. AnzusetzenisteinBedarfvoneinerAssistentenstellefürjeweilsdreiKlassen, deren Einsatz am besten jahrgangsweise erfolgt und die mit den Klassen aufwachsen. Die Stellen sind je nach Anforderungsprofil mit EG 6 bis EG 8 zu bewerten.

Technische Assistenten

Die besonders hohen organisatorischen Anforderungen an den Unterricht in naturwissenschaftlichen Fächern, genauso aber auch im Fach Sport und in den musisch-künstlerischen Fächern belasten die Lehrkräfte zunehmend. Viele der damit verbundenen Aufgaben können von technischen Assistenten effizient erledigt werden. Dazu zählt die Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien z.B. für Experimente, gegebenenfalls der Aufund Abbau von Versuchen, die Reinigung, Wartung und Pflege von schuleigenen Unterrichtsmaterialien und Geräten, die Verwahrung und Bereitstellung von Schülerarbeiten, das Einholen von Angeboten und die Durchführung von Beschaffungen usw. Technische Assistenten können auch technische und organisatorische Aufgaben zur Vorund Nachbereitung von Unterricht effizient übernehmen, so beispielsweise die Bereitstellung und die Funktionsprüfung von Medien, die Bereitstellung von Software und Computern für den Unterricht usw. Technische Assistenten können damit nicht nur die Lehrkräfte entlasten und so – ähnlich wie die Unterrichtsassistenten – einen Beitrag zur Qualitätsverbesserung des Unterrichts leisten, sondern ihre Tätigkeit erlaubt auch den kostensparenden Einsatz von Unterrichtsmitteln und deren häufigeren und vielfältigeren Einsatz. Mit Hilfe technischer Assistenten ist es auch ohne weiteres möglich, organisatorische und technische Schwierigkeiten zu überwinden, die bislang den Einsatz bestimmter Techniken wie z.B. von elektronischen Geräten für Unterrichtszwecke unmöglich machen, weil die Gefahr von Beschädigungen und Verschleiß durch unsachgemäße Handhabung oder Pflege reduziert wird.
Anzusetzen ist ein Bedarf von einer Assistentenstelle pro Schulfach, wobei je nach Situation an den einzelnen Gymnasien auch die Zusammenarbeit in Fächergruppen (z.B. naturwissenschaftliche Fächer) möglich erscheint. Die Stellen sind mit EG 6 bis EG 8 zu bewerten.

Verwaltungsassistenten

Die personelle Struktur der Schulverwaltung entspricht im Wesentlichen derjenigen des späten 19. Jahrhunderts und ist den Anforderungen an eine moderne Schulleitung nicht gewachsen. Dringend erforderlich ist die Schaffung von Stellen für Verwaltungsassistenten, die organisatorische, bürokratische und koordinative Aufgaben, die mit der Zeit den Schulverwaltungen zugewachsen sind, effizient und verlässlich erledigen. Zu den möglichen Einsatzgebieten von Verwaltungsassistenten zählt neben der Terminkoordination die Organisation von Praktika in der Schule, das Schulgesundheitswesen, die Haushaltskontrolle, die Weiterleitung von Dokumenten von bzw. zum Dienstherrn, die Pflege des Archivs und der Kontakt zu externen Stellen wie z.B. der Feuerwehr, den Sozialverwaltungen, Versicherungsträgern, den Trägern von Nachmittagsangeboten, dem Schulpsychologischen Dienst oder den Jugendämtern.

Der Einsatz von Verwaltungsassistenten fördert die sachgerechte Geschäftsund Aufgabenteilung innerhalb der Schulverwaltung und gewährleistet eine effiziente und verlässliche Bearbeitung von Verwaltungsaufgaben. Je nach Größe der Schule ist mit einem Bedarf an zwei oder mehr Verwaltungsassistenten zu rechnen, wobei Kooperationen zwischen benachbarten Gymnasien zu Synergieeffekten führen können. Bei den Verwaltungsassistenten sollte es sich um Verwaltungsangestellte mit einer einschlägigen Ausbildung und Berufserfahrung handeln. Die Stellen sind nach EG 8 bis EG 9 zu bewerten.

Technische Ausstattung

Ein gravierendes Missverständnis besteht darin, die technische Ausstattung von Gymnasien ausschließlich auf die Frage der Sachausstattung zu reduzieren. Diese gängige Praxis widerspricht den Erfordernissen der Gymnasien, bei denen die Wartung, die Pflege und – speziell im EDV-Bereich – die regelmäßige Weiterentwicklung den bei Weitem größten Anteil des Aufwands erzeugt. Weder die rein zentrale Vorgehensweise, die die Verantwortung für die technische Ausstattung alleine den Schulträgern bzw. von diesen beauftragten Unternehmen überträgt, noch die dezentrale Vorgehensweise, die die Verantwortung alleine den Gymnasien überträgt, hat sich in der Praxis bewährt. Die wichtigsten Gründe dafür liegen einerseits im Fehlen von Personal, zum anderen in der mangelnden Flexibilität und Zukunftsorientierung beim Einsatz und bei der Anpassung von Geräten sowie Hardund Softwarelösungen für die Schulen.

Aufgrund der intensiven Nutzung und der im Bildungsbereich kurzen Innovationszyklen sollen technische Geräte an Gymnasien grundsätzlich in einem Zeitraum von zwei Jahren als abgeschrieben bzw. veraltet angesehen werden. Im Normalfall sollten alle technischen Geräte spätestens nach drei Jahren durch moderne Geräte ausgetauscht bzw. durch moderne Lösungen ersetzt werden. Der Philologenverband lehnt den Einsatz veralteter oder ausgemusteter Geräte und Lösungen für Schulzwecke generell ab. Das ist umso wichtiger, als die Anforderungen an Ergonomie und Gesundheitsschutz bei Kindern und Jugendlichen besonders streng eingehalten werden sollen.

Die bestehenden Investitionspläne sollen in dieser Hinsicht angepasst werden und zusätzlich um ein anwendungsorientiertes Konzept zur Implementierung, Wartung und Pflege sowie Weiterentwicklung ergänzt werden, das insbesondere den Personalbedarf realistisch ansetzt. Dazu sollen je nach den Erfordernissen des einzelnen Gymnasiums und nach seinem Schulprofil sowie speziell auf die Voraussetzungen beim Schulträger zugeschnittene Entwicklungsstrategien formuliert werden, die die Bereitstellung entsprechender Mittel und die Erstellung geeigneter Organisationspläne und Aufgabenverteilungen zwischen Schulträger, Schule und den Assistenten an den Schulen erlauben.

Der Bedarf für die sachgerechte technische Ausstattung der Gymnasien ist stark von den lokalen Gegebenheiten abhängig. Mittelfristig wird die Verdoppelung der bislang für diese Zwecke angesetzten Mittel anzustreben sein, wobei zusätzliche Ressourcen durch die Bündelung und Standardisierung von Maßnahmen und die Reorganisation der bisher geübten Praxis zu erwarten sind.