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Pressemitteilung vom 25. Januar 2014

„Wir im Philologenverband sind froh, dass die Benachteiligung von Behinderten im Schulsystem der Vergangenheit angehört. Deshalb gilt: Wenn jetzt die Inklusion eingeführt wird, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die bereits erzielten Erfolge nicht ausgerechnet dadurch aufs Spiel gesetzt werden”, fasst Marcus Hahn, der Vorsitzende des Saarländischen Philologenverbands (SPhV), die Diskussion in seinem Verband über die Neufassung schulrechtlicher Gesetze zusammen.
Aus Sicht des SPhV beinhaltet der Gesetzentwurf schon in der gegenwärtigen Fassung eine Reihe guter Ansätze, so beispielsweise das gestufte Vorgehen bei der Einführung von Inklusion und die Erhaltung der Förderschulen mit ihrer unverzichtbaren personalen Kompetenz und Ausstattung. Scharfe Kritik dagegen erntet in den Reihen der Lehrkräfte der Versuch, die Inklusion quasi zum Sparmodell zu machen, indem dadurch Geld für Förderlehrkräfte eingespart wird. „Maßstab zur Beurteilung des Gesetzes muss doch wohl sein, inwiefern es Verbesserungen bei der Arbeit mit den Schülern bringt”, so Marcus Hahn. Nach Auffassung des SPhV darf es vor allem nicht sein, dass zur Finanzierung der Inklusion auf Mittel aus der demographischen Rendite spekuliert wird, die irgendwann einmal in unbestimmter Höhe freiwerden - zumal die zur Umsetzung benötigten Förderlehrer im Saarland gar nicht vorhanden sind.
Deutlich wird das Ressourcenproblem für den Philologenverband bei dem Vorhaben, Inklusionsberater zur Beratung von Regelschullehrkräften vorzusehen, ohne allerdings die Regelschullehrkräfte dann auch in gleichem Umfang für die Beratung freizustellen. „Wen sollen die Inklusionsberater denn beraten, wenn die Regelschullehrkräfte keine Zeit dafür haben?” Ähnliches gilt für den Verband für den Bedarf im Bereich der baulichen und vor allem im Bereich der Sachausstattung, der bei entsprechenden Diskussionen fast immer übersehen wird. Ganz abgesehen von der Barrierefreiheit der Schulen, die schätzungsweise noch mindestens fünf bis zehn Jahre Investitionstätigkeit der Schulträger erfordert, gibt es für sehr viele Schulfächer noch gar kein inklusionstaugliches pädagogisches Material.
Angesichts der personellen, baulichen, sachlichen und pädagogischen Investitionen, die nötig sind, um die Arbeit mit behinderten Schülern an Regelschulen zu verbessern, verbietet sich nach Meinung des SPhV eine Inklusion nach dem Gießkannenprinzip.„Die geringen Mittel, die uns im Saarland zur Verfügung stehen, sollten unbedingt konzentriert eingesetzt werden, um qualitativ überzeugende und gut durchdachte Maßnahmen durchzuführen. Übereilt konstruierte und mangelhaft finanzierte Projekte dagegen - das hat die Bildungspolitik im Saarland oft genug unter Beweis gestellt - führen nur zu Sorgen und zu Unruhe bei Eltern und Lehrkräften und schaden damit sogar eher den damit verfolgten Zielen”, so die Bewertung des SPhV.
Als „ziemlich weltfremd” bezeichnete der Saarländische Philologenverband die Diskussion über die Inklusion an Gymnasien, die vor einigen Wochen in der Presse geführt wurde. Selbstverständlich wird am Gymnasium niemand aufgrund äußerer Merkmale benachteiligt; wer das unterstellt, diffamiert nach Meinung des SPhV in schwer erträglicher Weise die vielen Lehrkräfte, die sich an Gymnasien im ganzen Land für ihre Schüler mit Behinderungen ebenso einsetzen wie für ihre nicht-behinderten.
„Selbst gezielte Attacken dieser Art werden uns am Gymnasium aber nicht dazu verleiten, Versprechungen zu machen, die wir nicht halten können. Mit seinem besonderen Bildungsauftrag und mit dem Prinzip des zielgleichen Unterrichts, der am grundständigen Gymnasium bereits ab Klassenstufe 5 auf die Allgemeine Hochschulreife ausgerichtet ist, kann und soll das Gymnasium nicht die Schule für alle sein”, so Marcus Hahn. Insofern ist aus Sicht des SPhV der Mut des saarländischen Bildungsministers Ullrich Commerçon zu loben, der in seinem Gesetzentwurf zur Inklusion - anders als manche seiner Kollegen in anderen Bundesländern - dem Druck derjenigen widerstanden hat, die die Inklusion nur als Brechstange zur Abschaffung des Gymnasiums benutzen wollen.