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Pressemitteilung vom 8. Mai 2014

Anhörung zur Änderung der Schulgesetze im saarländischen Landtag

„Heute sind erneut die Chancen, aber auch die Widersprüche und ungelösten Probleme der Umsetzung der Inklusion im Saarland deutlich geworden”, kommentierte Marcus Hahn, der Vorsitzende des Saarländischen Philologenverbands, die Anhörung im Landtag zur Änderung schulrechtlicher Gesetze.
Als positives Zeichen wertet es der Saarländische Philologenverband, dass, nach anfangs stark ideologisch geprägten Debatten, die Fachleute nun die Ressourcenfrage ins Zentrum ihrer Überlegungen gerückt haben. Im Verlauf der Anhörung hat sich gezeigt, dass die demografische Rendite keinesfalls ausreichen wird, um die Kosten der Inklusion aufzufangen. Insbesondere befürchtet der Philologenverband, dass die Arbeitsbelastung für die Regelschullehrkräfte stark ansteigen wird; Mittel zur Entlastung der Lehrkräfte sieht der Gesetzentwurf aber nicht vor. Daher sind nach Auffassung des Philologenverbands Abstriche an den teilweise völlig utopischen Erwartungen an die Inklusion zwingend erforderlich.

„Der Bildungsminister steht in der Verantwortung, den Bürgern deutlich machen, dass Inklusion nur im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten machbar ist; Enthusiasmus alleine genügt nicht zur Umsetzung pädagogischer Projekte”, sagte Marcus Hahn am Rande der Anhörung.
Deutlich an Realitätsbezug gewonnen hat aus Sicht des Philologenverbands die Diskussion über die Rolle der weiterführenden Schulen bei der Inklusion.
„Diejenigen Stimmen, die die Inklusion dazu benutzen wollten, aus dem Gymnasium die Schule für alle zu machen, haben sich mittlerweile selbst ins Abseits gestellt. Heute wurde klargestellt, dass das Gymnasium seinen Beitrag zur Inklusion im Rahmen seines Auftrag zur Vorbereitung seiner Schüler auf ein Hochschulstudium und gemäß seinem Prinzip des zielgleichen Unterrichts leistet”, resümierte Marcus Hahn die Anhörung aus Sicht der Lehrkräfte an Gymnasien.
Unklar geblieben sind dagegen nach Einschätzung des Saarländischen Philologenverbands eine Vielzahl von praktischen Problemen, insbesondere bei der geplanten Tätigkeit von Beratern an Regelschulen. „Wer trägt die Verantwortung für pädagogische Maßnahmen, die eine Lehrkraft auf Ratschlag eines Inklusionsberaters einleitet?”, lautete beispielsweise eine der aufgeworfenen Fragen. Weiterhin unklar geblieben ist auch, wie die in der UN-Konvention zwingend vorgeschriebene erstrangige Berücksichtigung des Kindeswohls bei schulischen Entscheidungen im Saarland umgesetzt werden soll, wenn die geplante Gesetzesänderung z.B. bei der Wahl der Schule in erster Linie den Elternwillen zum Maßstab erhebt.
Nach Auffassung des Saarländischen Philologenverbands erfordert es der Wortlaut der UN-Konvention, bei solchen Entscheidungen sowohl die Schulaufsicht als auch die aufnehmenden Schulen, gegebenenfalls sogar medizinischen Rat und insbesondere die unterrichtenden Lehrkräfte in die Entscheidung einzubeziehen.