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offener Brief vom 06.11.2016

Ihre Artikel „Zu viele Zwangs-Halbtagsschulen“ sowie „Wahlkampf erreicht Schulen“ in der Saarbrücker Zeitung von 5./6. November 2016
Saarbrücken, 06.11.2016

Sehr geehrter Herr Klostermann,
es ist ehrenhaft, für eine demokratische Partei wie die SPD oder für deren Wahlkampfaussagen zu werben. Nicht ehrenhaft ist es, zu diesem Zweck falsche Behauptungen zu verbreiten, auch nicht über die saarländischen Gymnasien. Das von Ihnen vermisste Angebot „von 8 bis 16 Uhr, mit einer mindestens 45-minütigen Mittagspause“ stellen in Wahrheit alle grundständigen Gymnasien im Saarland den Eltern zur Wahl. Falsch, zumindest aber grob irreführend ist ebenso, dass die Ganztagsangebote „ganz kostenlos“ seien, wie Sie schreiben. Im saarländischen Landeshaushalt sind alleine im Kapitel 0603 für diesen Zweck mehr als 18 Millionen Euro für das Jahr 2016 veranschlagt.
Ebenso irreführend sind viele der in Ihrem Artikel zitierten Aussagen zum Bedarf an Ganztagsschulangeboten und zu deren pädagogischem Wert. Das allerdings ist Ihnen nun ausdrücklich nicht anzulasten, denn selbstverständlich veranlasst Ihre journalistische Pflicht zur wahrheitsgemäßen Berichterstattung Sie dazu, von „Experten“ getätigte Äußerungen auch dann wiederzugeben, wenn es sich um Unsinn oder Verdrehungen der Wahrheit handelt.
Ausgesprochen befremdlich sind dagegen Ihre Aussagen im Kommentar zum Hauptartikel. Sie raunen davon, dass die CDU das Gymnasium schützen wolle. Damit präsentieren Sie den Lesern eine Soße, die sofort nach Populismus stinkt, wenn man sie nur einmal rührt. Die Wahrheit ist: In unserem Land braucht niemand den Schutz durch eine Partei: Weder braucht die deutsche Kultur den Schutz durch Rechtsradikale noch braucht das Asylrecht den Schutz durch Linksextremisten – und erst recht braucht das Gymnasium als staatliche, in der Verfassung verankerte Schulform keinesfalls den Schutz durch eine Partei. Das Gymnasium mit seinen Lehrkräften, Schülern und Eltern steht unter dem Schutz der Landesregierung, verkörpert durch den Bildungsminister Ulrich Commerçon. Wir im Philologenverband haben nicht den geringsten Zweifel daran, dass der Bildungsminister seinen Amtspflichten gemäß seinem Diensteid nachkommt.
Über eines, sehr geehrter Herr Klostermann, sind wir uns mit Sicherheit einig: Damit unsere Demokratie weiter intakt bleibt, brauchen wir unbedingt eine freie Presse, die auch klar Standpunkte bezieht, sich aber an keiner Stelle in den Dienst politischer Propaganda stellt. Genauso dürfen wir es aber nicht zulassen, dass der Eindruck erzeugt wird, staatliche Institutionen würden von Parteien vereinnahmt werden – und sei es nur als Winkelzug der Gegnerpropaganda. Wir im Philologenverband lehnen eine derartige Vereinnahmung für das Gymnasium und für seine Lehrkräfte, Schüler und Eltern entschieden ab, weil wir für Demokratie und Pluralismus stehen.
Gerade weil die freiheitliche Demokratie in unserer Zeit zunehmend angegriffen wird, formuliere ich diese unsere Position Ihnen gegenüber so deutlich. Und weil es sich dabei eben nicht um eine Privatsache handelt, sondern den Kern unserer Demokratie berührt, haben Sie sicher Verständnis dafür, dass ich diesen Brief auch nicht nur als Privatsache behandele, sondern ihn den Kolleginnen und Kollegen an den Gymnasien zur Kenntnis bringe, von denen ja viele auch zu Ihrer Leserschaft gehören. Davon unberührt bleibt, dass wir im Philologenverband Ihnen selbstverständlich für weitere Informationen zum Thema „Ganztagsangebote an Gymnasien“ zur Verfügung stehen.

Hochachtungsvoll
Marcus Hahn, Vorsitzender