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Kommentar Gymnasium Saar 01/2014, Dr. Marcus Hahn, Vorsitzender

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Frage nach den Strukturen im Bildungsbereich ist längst noch nicht beantwortet; sie ist heute vielleicht sogar aktueller als je zuvor. Allerdings hat sich die Themenstellung verändert. Heute diskutieren wir nicht mehr vordergründig über Schulformen, vielmehr drängt sich mit der Frage nach der Zukunftsfähigkeit der Landesverwaltung die Finanzierung der Aufgaben, die die Schulen in Zukunft erfüllen sollen, in den Vordergrund. Mit der Diskussion über die Inklusion stehen ebenfalls strukturbildende Prozesse auf der Tagesordnung. Was kann die inklusive Schule leisten, was darf von ihr erwartet werden, inwiefern taugt das Konzept zu einer tatsächlichen Verbesserung der Qualität des schulischen Angebots? Und auch in Bezug auf unseren Berufsstand und unsere Arbeit verändert sich viel: Von einer „Hattie-Welle”, die auf die Bundesländer zukommt, ist die Rede. Nicht mehr ideologische Schaukämpfe, sondern eine wissensbasierte, auf breiter empirischer Basis abgestützte Neubestimmung der Aufgaben der Lehrkräfte deutet sich damit an.
Wie sollen wir im Philologenverband mit diesen Themenbereichen umgehen? Sollen wir uns wegducken, alte Positionen verteidigen, Veränderungen möglichst lange blockieren und darauf hoffen, dass schon alles nicht so schlimm kommen wird? An der Rhetorik der Fragen erkennen Sie schon: Das ist meines Erachtens der falsche Weg. Richtig ist vielmehr, dass wir die strukturellen Veränderungen als Chance betrachten, um unsere Kompetenz und unsere Erfahrung einzubringen. Daher haben wir im Verband die Themen in Angriff genommen. Wir arbeiten präzise, kritisch und kompetent bei der Aufgabenkritik im Lehrerbereich mit. Wir sind es, die gemeinsam mit den anderen Lehrerverbänden die Aufgaben der Lehrkräfte im Saarland auf den Prüfstand stellen; wir sind es, die die Frage nach der Effizienz der Arbeit aufwerfen; wir sind es, die Möglichkeiten zeigen, wo Überflüssiges gestrichen werden kann und wo Notwendiges dringend einer besseren Finanzierung bedarf. Dabei steht für uns immer die Qualität unserer pädagogischen Arbeit auf einer Ebene mit der Qualität der Arbeitsbedingungen. Wir stellen uns auch der Diskussion über die Inklusion – ein wirklich schwieriges Thema. Wir argumentieren sachbezogen und realistisch und leisten damit einen Beitrag dazu, unnötige Ängste und rein emotionale Abwehrreaktionen zu vermindern. Dabei steht für uns immer das Ziel im Mittelpunkt, die besten Wege zu den besten Bildungschancen für alle Schüler zu eröffnen.
Wir haben uns auch im Hinblick auf die Frage nach der Rolle des Lehrers in der Schule klar positioniert. Wir treten für ein Berufsverständnis ein, das die Rolle des Lehrers sehr viel ernster nimmt als es manch andere tun. Know thy impact! lautete die Aufforderung von John Hattie, und wir fühlen uns damit herausgefordert, basierend auf unserer fachlichen und pädagogischen Kompetenz die tatsächliche Wirkung unserer Arbeit im Unterricht sicherzustellen. Damit steht für uns guter Unterricht immer im Zentrum unserer Arbeit in der Schule. Werden wir in diesen Diskussionen mit unseren Argumenten nur auf Zustimmung stoßen? Sicher nicht. Werden wir Rückschläge und Misserfolge verkraften müssen? Womöglich. Sollte uns das von unserem Weg abbringen? Ganz bestimmt nicht. Warum? Weil wir wissen, dass wir auf diesem arbeitsreichen Weg die Aufgabe unseres Verbandes am besten erfüllen können: den Interessen der Lehrkräfte, unserer Schüler und unserer Schulform wirksam Gehör zu verschaffen.

Ihr
Dr. Marcus Hahn
Vorsitzender