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Kommentar Gymnasium Saar 05/2015, Dr. Marcus Hahn, Vorsitzender

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

„Das alte ist vergangen“ heißt es in einem Volkslied, in dem viel Weisheit steckt. Das Ende des alten Jahres ist tatsächlich ein Moment, an dem man innehält, bedenkt, was war, überlegt, was kommen mag.
In diesem Jahr können uns da merkwürdige Gedanken in den Sinn kommen. Wie war das in den 1980er Jahren? Damals hat der Bildungsminister Breitenbach, ein aufrechter Sozialdemokrat, im Brustton der Überzeugung prognostiziert, dass es im Jahr 2000 vielleicht gerade mal noch eine Handvoll Gymnasien geben werde. Und heute? Heute legt ein ebenfalls sozialdemokratisch regiertes Bildungsministerium einen Haushaltsplan vor, nach dem es im Jahr 2017 im Saarland keine Gesamtschulen mehr geben wird – Ansatz lt. Stellenplan: 0. Wie soll man dazu etwas sagen? Vielleicht mit Volksweisheiten? Tempora mutantur? Trau, schau wem? Wer anderen eine Grube gräbt? Ein gutes Gefühl will sich bei der Sache jedenfalls nicht einstellen. Wenn uns das Jahresende 2015 etwas lehrt, dann wohl, dass wir uns daran gewöhnen müssen, in unsicheren Zeiten zu leben. Bestimmt ist das ein Grund dafür, dass Zeichen entschlossenen Handelns uns in diesen Tagen so gut gefallen. So z.B. das Ergebnis des Spitzengesprächs der Verbände und Gewerkschaften mit der Landesregierung. Im Mittelpunkt dieses Gesprächs stand die Frage, wie der Öffentliche Dienst aus der Ankunft von vielen Tausend Schutzsuchenden bei uns eine Chance für das Land machen kann. In diesem Gespräch ist ein Katalog von zielgerichteten und wirksamen Akutmaßnahmen vereinbart worden, die zudem noch im Einklang mit der Pflicht zur verantwortungsvollen Haushaltsführung stehen. Das hat Vertrauen geschaffen, auch weil es eine Absage an diejenigen war, die „Flüchtlingskrise“ sagen, tatsächlich aber „Politik, als gäbe es kein Morgen“ meinen.
Selbstverständlich ist damit die Arbeit noch nicht getan. Das Nachdenken darüber, was denn nun in Zukunft sein soll, hat gerade erst begonnen. So werfen die schrecklichen Ereignisse in Paris – das Werk von in Europa ausgebildeten, aber eben nicht gebildeten Menschen – für unseren Arbeitsbereich beispielsweise die Frage auf, ob es denn wirklich richtig ist, Kompetenz vor Inhalt zu stellen. Ist es angesichts der Aufgabe der Integration von vielen neuen Mitmenschen aus aller Herren Länder richtig, sich alleine auf Kompetenz zu verlassen, oder gewinnt nicht ein breites, vertieft reflektiertes Grundwissen über die griechisch-römischen, jüdisch-christlichen Wurzeln unserer Kultur in diesem Zusammenhang „per se“ eine neue Bedeutung? Und wenn ja, welche ist das dann? Und wie setzt man das in der schulischen und unterrichtlichen Praxis um? Vieles davon ist nicht geklärt; umso mehr hat es sich gelohnt, dass wir mit am „Runden Tisch gymnasiale Bildung“ just in diesen Tagen die Diskussion darüber mit den Repräsentanten aller an Gymnasien vertretenen Fachverbände begonnen haben.
Richtig liegen wir im Philologenverband auch - eine weitere Erkenntnis aus den aktuellen politischen Ereignissen - mit unserem Einsatz für die Stärkung der Mitbestimmung. Heutzutage kann man demokratische Strukturen auch im Kleinen gar nicht wirksam und stabil genug aufstellen. Viel zu groß ist die Bedrohung durch undemokratische, parareligiös verbrämte Terroristen und viel zu verführerisch ist die Versuchung durch autoritäre und „effiziente“ oder „pragmatische“ Antworten darauf. Auch in diesem Feld liegt im nächsten Jahr noch viel Arbeit vor uns. Dazu wünsche ich uns allen viel Glück und ausreichend Zeit zur Besinnung in den kommenden Tagen - oder, wie es im Volkslied heißt: „Glück zu, Glück zu, zum neuen Jahr“. 

Ihr
Dr. Marcus Hahn
Vorsitzender